Therme in Bad Vilbel – Für die SPD lässt auch die neue Vorlage zu viele Fragen offen

Lucia André

Nachdem fast anderthalb Jahre nach dem tragischen Tod von Investor Josef Wund die Frage, ob die Therme nach Bad Vilbel kommt oder nicht immer vollständig beantwortet ist, sollen die Stadtverordneten in Bad Vilbel nun über die Offenlage eines geänderten Bebauungsplans für eben diese Therme beraten und abstimmen.

„Leider liegt uns aber immer noch kein Konzept vor und das kann nicht nur mit dem noch nicht vorliegenden Erbschein begründet werden“, meint Fraktionsvorsitzender Christian Kühl.

Aus Sicht der SPD-Fraktion sollten die Erben von Herrn Wund doch schon konkrete Vorstellungen haben, wie sie die Therme bauen wollen, denn es scheint kaum vorstellbar, dass mit den Planungen der Therme erst dann begonnen werden soll, wenn der Erbschein vorliegt. „Das die Erben von Herrn Wund, die Therme anders konzipieren wollen, ist ja bekannt, dann sollen sie die Öffentlichkeit doch endlich darüber informieren wie“, so das Magistratsmitglied Udo Landgrebe.

Deshalb fordert die SPD-Fraktion in der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung den Stadtverordnetenvorsteher dazu auf, umgehend nach den Sommerferien eine Bürgerversammlung einzuberufen, in der der Magistrat und die Betreiber der Therme das neue Konzept der Öffentlichkeit endlich vorstellen sollen.

Jedoch lässt auch die Änderung des Bebauungsplans einige kritische Fragen zu. So sind die Sozialdemokraten nicht glücklich darüber, dass die bauliche Nähe zu den Schulen auf mittlerweile zwölf Meter verringert wurde. „Auch wird der Schulweg für die Massenheimer Kinder fast 700 m länger und führt erst über das GBG und dann noch über die, zumindest in den Stoßzeiten vielbefahrene Saalburgstraße“, führt Stadtverordnete Bernd Hielscher aus.

Völlig unverständlich für die SPD ist auch der ersatzlose Wegfall des geplanten Hotels. Noch vor zwei Jahren wurde Stadtrat Minkel nicht müde zu betonen, dass Bad Vilbel gar nicht genügend Hotels haben könnte, nun wird das Hotel bei der Therme nicht mehr benötigt. „Das ist dann schon sehr seltsam, vor Allem wenn man beachtet, dass sämtliche Hotels in dieser Stadt nicht auf Familien ausgerichtet sind, sondern vielmehr auf Businessbesucher, dann ist es schon sehr unverständlich, warum wir dort kein Hotel mehr benötigen“, so Kühl.

Der Verzicht auf das Hotel führt auch dazu, dass die Betreiber sich mehr auf Tagesgäste konzentrieren müssen, somit steigt die angestrebte Besucherzahl auf 1,3 Millionen jährlich. Bisher wurde mit 1,1 Millionen Besucher jährlich gerechnet. Allein die zusätzlichen 200.000 Besucher bedeuten eine Mehrbelastung von 50.000 bis 70.000 Fahrzeugbewegungen. Besonders wichtig scheinen aber die Spitzenzeiten zu sein, denn da werden die errechneten 120 zusätzliche Fahrzeuge zu einem erheblichen Rückstau auf der Homburger Straße führen.

Hier kritisiert die SPD auch das neue Verkehrsgutachten. „Es ist schon sehr seltsam, dass bei jeder Steigerung der Verkehrsströme in Bad Vilbel, eine Mehrbelastung zwar festgestellt wird, aber trotzdem überhaupt kein Problem für den hiesigen Verkehr bedeuten soll“ wundert sich die Stadtverordnete Lucia André. Aus diesem Grund behält sich die SPD vor, noch ein verkehrliches Gutachten zu beantragen. „Vielleicht wäre es mal angebracht, dass ein anderes Institut einen neuen Blick auf die städtische Verkehrssituation wirft“, so André.

Auch auf die wichtige Frage, inwieweit und vor Allem wann, ein neues Freibad realisiert werden soll, bekommen die Stadtverordneten keine Antworten.

Es ist bekannt, dass die Bad Vilbeler Sozialdemokraten von Anfang an das Projekt Therme in Bad Vilbel mitgetragen hat, aber „die Bauchschmerzen, die wir damals schon hatten, sind nicht kleiner geworden, ganz im Gegenteil“, betont Christian Kühl. „Wir brauchen jetzt dringend Klarheit darüber, wann und wie die Therme umgesetzt werden soll, denn auch wenn ich mich wiederhole, es müssen schon konkrete Planungen vorliegen, unabhängig des Erbscheins, denn keiner weiß anscheinend, wann dieser ausgestellt wird, und wenn man dann erst mit der Konkretisierung anfangen würde, würde ja noch viel mehr Zeit vergeudet werden“.

Alternativen zu den jetzigen Planungen könnte sich die SPD ein echtes Kombibad wie das Seedambad in Bad Homburg vorstellen. Selbstverständlich ist man sich in den Reihen der Sozialdemokraten bewusst, dass dies ein völlig anderes Konzept darstellen würde und der Betrieb eines Kombibads in Eigenregie, die öffentliche Hand Geld kosten wird, jedoch ist man sich, anders als die Regierungskoalition, einig, dass ein Angebot an öffentlichen Bädern durchaus auch zur Daseinsfürsorge einer Kommune gehört.

Wie auch immer die Entscheidung der Stadt ausfällt, sie sollte aus Sicht der SPD noch in diesem Jahr getroffen werden. „Und das Heft des Handelns sollte immer die Kommune in der Hand halten, dass ist hier leider nicht mehr so“, so Kühl abschließend.

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